Song – komplett zerlegt

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Song – komplett zerlegt, oder woraus besteht Musik?

Neulich habe ich auf Facebook gelesen dass, was früher unerhört und innovativ war, heute eher brav oder klassisch anmutet. Das waren Brian Hazards Worte, die ich hier (ungenau) zitiere. Hier, seine Facebook Seite: https://www.facebook.com/colortheory/.

Wir waren vor Jahren Label Kollegen auf Amerika´s grössten Synthpop-Label A Different Drum. Jeder von uns veröffentlichte dort seine Vision von elektronisch generierter Musik.

Das brachte mich zu der spannenden Frage: “Wäre es nicht spannend, einen Song zu zerlegen und zu hören, welche Synths/Sampler hier welchen Klang machen?” 

Da es auf meinem Synthblog um künstliche Klänge geht, zerlege ich heute einen meiner Songs. Denn nichts, was mein Studio bisher verlassen hat ist natürlichen Ursprungs. Ausser meiner Stimme, die natürlich auch ein wichtiger Teil der Musik ist, die ich mache. Aber alle anderen Dinge kommen aus einer Maschine. Der Mix ist mitnichten perfekt, aber darum geht´s nicht. Wir sind ja schliesslich nicht bei “Mixblog.de”.

Aus Maschinen wird Musik.

Und hier sind wir wieder beim Thema von Synthblog.de. Habt Ihr Lust herauszufinden, welche Maschinen zu hören sind?

Ja? Dann los! Schere, Skalpell, Tupfer! Ist der Patient bereit? Schläft tief und fest…

Zuerst hört Ihr hier den Song:

Und jetzt machen wir die Motorhaube auf, und sehen, was drin steckt:

“Fump! Quietsch! Einrast! Riesel!“ „Hier müsste mal einer aufräumen. Und wasˋn das!? Marderschaden! Kein Zündfunke mehr! Kein Wunder, dass es in den Charts nie funkt.“ Bevor wir jetzt aber die Nummer des staatlich geprüften Marderfu**ers wählen (Danke an Du weisst schon wer für diesen zeitlosen Wortwitz!), zurück zur Sache. “Song – komplett zerlegt” hieß die.

Samples aus dem Ensoniq ASR-10.

Ist der Song erstmal komplett zerlegt fällt auf: den größten Anteil am Klanggeschehen hat Ensoniq´s ASR-10, mein erstes professionelles Instrument überhaupt.  Wobei sich diese Klangmenge auf Anfang, Ende und Bridge verteilt.

Der ASR-10 liefert hier allerlei selbstgebastelte Klänge. Alte Kühlschränke, der Wellenfomvorrat einer Korg 01-W Workstation, Störgeräusche. Nichts war mir heilig, um nicht verwurstet zu werden.

Samples aus dem TAL – Sampler.

Hier wurde genommen, was passt oder passend gemacht. Also war der Ausgangspunkt die Werkslibrary. Ich finde es ganz interessant, dass der TAL -Sampler eine gefühlt eigene Klangpersönlichkeit besitzt. Die Zerrsounds wurden mit Hilfe des Cubase – eigenen Amps erzeugt, also TAL durch den Amp geschleift.

Die Drums fand ich auch ganz passend.

Sound aus dem Waldorf Pulse.

Über der Pulse von Waldorf wäre viel zu berichten, denn er ist zwischen knüppelhart bis butterweich flexibel. In diesem Beispiel sorgt die Filterresonanz für ein stimmartiges Gejammer kurz vor Ende des komplett zerlegten Songs. Fabriksound Nr. 2.

COTK Model 15 – Bass und Sequenzen.

Dieser Moog Modular Clone wurde natürlich from scratch registriert, denn wie alle Moog Modulars hat auch der COTK viel Her(t)z aber überhaupt kein Hirn, bzw. kein Gedächtnis. Gut so!

Der erste Sound demonstriert, was passiert, wenn man parallel die Oszillatoren des Model 15 in ein externes Eurorack Filter führt. In diesem Fall das System-X Filter von Frequency Central.

Native Instruments – Monark – die Hookline.

Klar hätte ich auch gleich den Minimoog einschalten können, aber es gibt Situationen, da ist ein PlugIn einfach schneller.

Monark ist übrigens ziemlich nahe dran am Original und hat, sofern man Reaktor in der Vollversion besitzt, den Megavorteil, dass man ihn gleich ohne Lötkolben modden kann.

Wie wär´ s mit Polyfonie? -Kein Problem.  Oder ein Modulationssequencer für das Filter? Alles machbar. Dazu einfach die Structure aufmachen, ein bisschen herum operieren, fertig.

Roland SH – 101 – die Bassline.

Muss man diese Kiste noch jemandem vorstellen? Ich glaube kaum. Die oder der SH-101 hat eine fette Rechteckwelle zu bieten, der Stoff aus dem ebenso fette Basslines gemacht werden. In der Klangfarbe einem Minimoog verdammt ähnlich. Auch dessen Rechteck klingt auf diese Weise hohl und hölzern.

Für den Song wurde der Bass in der Frequenz begrenzt, damit die noch fettere Sub-Kickdrum noch reinpasst.

Native Instruments – Kontakt – Stimmen, Streicher und Analogsamples.

Mit Native Instrument ´s Kontakt kann man irgendwie alles machen. Hier lasse ich ihn eine Audioaufnahme des Model 15 Synthesizers transponiert abfeuern, ein bisschen Cello spielen und eine Chor-Fläche aus der Symphony of Voices Library abspielen. Letztere war ursprünglich für den K2000 von Kurzweil erworben worden. Kontakt importiert das ohne Murren.

Kurzweil – K2000 – Stringensemble.

“Alt aber gut” könnte man sagen. Der K2000 hat mich mal mehr gekostet als ein ARP2600 zum selben Zeitpunkt, und ich könnte mir noch heute dafür alle Haare einzeln raufen, dass ich mich nicht in umgekehrter Reihenfolge zum Kauf entschliessen konnte.

Aber die 90er Jahre waren eben noch andere Zeiten. Und der Kurzweil kann zugegebenermassen auch nicht wenig. Man muss eben nur sehr tief in ihm abtauchen und darf frischen Sauerstoff nicht vergessen. Mit etwas Fingerspitzengefühl kommt da einiges heraus, was selbst ein ARP2600 nicht kann. Die hier gespielten Streicher sind da noch nichts besonderes.

Cwejman – S1 – Shaker.

Ich glaube, mein S1 ist sauer! Dermaßen unterfordert wurde er selten, aber es ist halt einfach, mit ihm ein paar Percussions zu machen. In der “dry”-Version, also ohne Delays,  hört man, wie schnell und präzise die S1 – Hüllkurven sind. Das klingt fast wie bei einem Sample. Genau diese Eigenschaft kann zu unterkühlten Klängen führen, wozu der S1 natürlich ebenso in der Lage ist, wie zu warmen, fetten.

Für die fetten Bretter darf er ja auch regelmässig ran, also habe er sich nicht so! Beim nächsten Mal gibt´s richtige Arbeit. Für (Cwej) Männer.

G-Soft – Oddity – Zuckerguss.

Ich kann nicht sagen, wie nahe der Oddity 2 dem ARP Odyssey kommt, aber für diesen Zuckerklang war das wirklich herzlich egal. Flächen liefert dieses PlugIn in grandioser Qualität, wobei er niemals wirklich brutal wird.

Native Instruments – Battery – Sub Kick.

Ich kann´s gar nicht glauben, aber ich schreibe schon zum 3. Mal Native Instruments in diese Seite. Battery steuert den tiefen Wumms für die Bassdrum bei.

Mir ist aufgefallen, dass es sich ganz gut auch ohne den perfekten Raum im Tiefbass mischen lässt, wenn man Versatzstücke aus Studio – erprobten Libraries verwendet. Dann braucht man nur noch aufpassen, dass man nichts eigenes in dieser gefährlichen Tiefe versenkt, dann passt es schon ganz gut. Anders ausgedrückt kann man es mit ein bisschen Detailverliebtheit trotzdem gründlich vermasseln.

Yamaha AN1x – Fläche.

1.800 Glocken hat das Teil damals gekostet, und das war billig! Roland´s JP8000 war deutlich, Clavia ´s Nordlead erheblich teurer. Dafür hätte ich damals 2 System 100m – D-Sets oder 2 System 100 Systeme bekommen!

Beim 2. Blick fällt auf, wie gefällig und weich der AN1x Flächen zaubert und wie gut er (allerdings nicht in diesem Lied) auch kräftige Drums aus den Monitoren wuchtet. Jetzt sind wir mal zufrieden mit dem, wie es ist.

Jedenfalls hat er in unserem komplett zerlegten Song eine tragende Rollen in den Schlussakkorden.

Abschließend stelle ich fest, dass das mal ganz interessant ist, sich die Bauteile für einen Song isoliert zu Ohren zu führen.

Falls hier einer Lust hat, sein eigenes Machwerk auf dem Synthblog in Einzelteile zu zerlegen, nur zu. Ich brauche dazu:

Song, Einzelsignale mit Zeitangaben wie im Player als MP3, Fotos von allen beteiligten (Geräten, gerne auch Machern) und etwas Text zu den Sounds. „Hier“ geschrien werden kann unten in den Kommentaren, ich nehme dann Kontakt auf. (schon wieder Schleichwerbung für NI…)

Euer Song sollte eine Elektro-Produktion sein. Echte akustische Instrumente sind etwas ganz tolles, aber nicht Thema im Synthblog.

Links:

G-Force Software

Native Instruments

Cwejman

Roland

Yamaha

Club of the Knobs

Waldorf

ToguAudioLine (TAL)

Ensoniq

Kurzweil

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